Dienstag, 16. September 2014

Antwort auf Carlos Gastbeitrag - ein Post für alle Partner_innen von Lacksüchtigen


Auf dem Blog der Handsome Girls hat Älonos Carlo einen Gast-Post veröffentlich und die Männerwelt darum gebeten, ihre Erfahrungen zu teilen. Da die Antwort meines Liebsten nicht in einen Kommentar passt, gibt's den Text als Post.
Viel Spaß beim Lesen :)


Lieber Carlo,

dass meine Freundin, die wunderbare Frau von Farbe, einen eher ungewöhnlichen Umgang mit Nagellacken pflegt, habe ich erst gemerkt, als wir vor etwas über einem Jahr zusammengezogen sind. Ich weiß nicht mehr, warum ich es vorher nicht gesehen habe (oder nicht habe sehen wollen). Jedenfalls fand ich mich plötzlich, beim Auspacken der Umzugskartons, inmitten eines Bergs von Lackfläschchen wieder und mir wurde klar, dass sie vielleicht ein paar mehr davon hat, als andere Frauen. 

Nun ist unsere Wohnung zum Glück sehr groß und ich brauche auch nicht so viel Platz für meine paar Hygieneartikel, aber ich war dennoch etwas irritiert. „Reichen denn nicht zehn oder zwanzig Farben?“, „Die zehn dunklen Rottöne sehen doch sowieso alle gleich aus.“, „Gibt es da denn kein Grundfarben-Sortiment, was dann ausreicht?“ – Ich kann mir sehr gut vorstellen, was meine Freundin sich bei diesen Fragen gedacht hat.

Es ist dabei nicht einmal so, dass ich Sammelleidenschaften nicht nachvollziehen kann. Ich bin selber jemand, der die unmöglichsten und seltsamsten Dinge sammeln kann und durchaus versteht, dass feine Nuancen manchmal große Unterschiede bedeuten. Jedoch, so muss ich zugeben, fehlt mir offensichtlich völlig das Auge für die Farbunterschiede der einzelnen Lacke. Mir fallen solche minimalen Unterschiede (grün-metallischer Lack mit feinen Silberglitzer-Partikeln oder grün-metallischer Lack mit größeren Silberglitzer-Partikeln) eben genauso wenig auf, wie andere Leute den Unterschied zwischen einem 12 Jahre alten Glenfiddich und einem 12 Jahre alten Glenlivet nicht schmecken können (Banausen!).

Ich habe nach meinem ersten Beauty-Schock aber versucht, mich mit dem seltsamen Hobby meiner Freundin zu arrangieren. Ich habe mich damit vielleicht ein paar Mal mit blöden Fragen lächerlich gemacht, aber ich habe mir immer Mühe gegeben. Zugegeben, ich begreife noch heute oft nicht, wie es überhaupt so viele unterschiedliche Farben geben kann und vermute immer noch, dass eigentlich alle Rottöne auf den Fingernägeln gleich aussehen, aber immerhin kann ich mittlerweile anhand des Flaschenhalses bestimmen, ob meine Freundin gerade einen O.P.I.-Lack, einen essie oder Catrice (das ich manchmal nur aus Prinzip englisch und als „Cat-Rice“ ausspreche) aufträgt. 

Ich habe gelernt, dass man viele Lacke in mehreren Schichten aufträgt, warum man verschiedene Lacke nacheinander auf den gleichen Finger pinselt, und noch ein paar Dinge mehr. Vor allem habe ich aber gelernt (und ich glaube, da kann ich dich wirklich verstehen), dass es meiner Freundin unglaublich wichtig ist, ihr Hobby ausleben zu können. Deswegen unterstütze ich sie mit den (bescheidenen) Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen.

Damit jetzt nicht alle Leserinnen wieder sagen müssen: „Hach, so viel Verständnis, wie toll!“, kommt jetzt aber noch eine Sache, wo ich dich, lieber Carlo, so gar nicht verstehen kann. Lacke im CD-Regal? Bei aller Liebe zu meiner Freundin und zu ihrem Hobby: Meine CDs sind mein Hobby und sie stehen in einem CD-Regal besser, als sie in irgendwelchen Kisten liegen würden. Ich nehme mir also die Freiheit, gleich einen Aufruf zu wagen. 

Liebe Nagellack-Girls, die ihr mit einem Menschen zusammenlebt, der euer Hobby nicht teilt: Gönnt diesen Menschen einen Teil der Wohnung ohne Nagellacke! Beschränkt euch auf das Badezimmer, das Schlaf-, Schmink-, Ankleide- oder Arbeitszimmer, aber bitte, bitte, lasst euren Mitmenschen Platz für Musik-CDs, Whiskey-Flaschen, Musikinstrumente, Staffeleien, Blumentöpfe oder was auch immer sie brauchen, um selber zu entspannen. Ich bin mir sicher, dass diese Menschen euer Hobby dann (noch stärker) akzeptieren. Und euch vielleicht sogar noch mehr Lacke kaufen, als ihr sowieso schon in der Wohnung verteilt habt.

Lieber Carlo, du hast am Ende des Beitrags auf deine Werke aufmerksam gemacht und ich möchte es dir hier gleichtun. Und zwar möchte ich in aller Bescheidenheit auf ein Gedicht aufmerksam machen, dass ich der bezaubernden Frau von Farbe gewidmet habe. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß mit der Lack-Fotografie und ich wünsche allen Lackistas (sagt man das so?) weiterhin viel Kreativität und Freude an ihrem Hobby.


Mit herzlichen Grüßen
Thorsten

P.S:
In einem Punkt muss ich dir aber vehement widersprechen: Nagellackentferner stinkt nicht. Ich liebe diesen Geruch! ;-)


Aus den Schatten, auf die Straßen,
von Ratten, die die Nacht vergaßen.
Streben sie dem Lichte zu,
erst komm‘ ich, doch wann kommst du?

In den Pfützen schillern Sterne,
lockend singen sie von Ferne.
Regenbogenaugen funkeln,
und ein Strahlen bricht im Dunkeln.

Hektisch, hastig, immer neu,
keine Hemmung, keine Scheu.
Und die dumpfe Masse weint,
weil Farbe auch durchs Bunte scheint.

Kommentare:

  1. Okay, ich bin dafür dass jetzt alle Lackistas (den Begriff finde ich mega) mit einem/-r Partner/-in so einen Post veröffentlichen :D Sobald ich einen Freund habe werde ich ihm eure Beiträge zeigen und fragen was er so dazu sagt :D Einfach genial :D

    Das Gedicht finde ich auch total gut :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mein Freund hat rein gar kein Verständnis und seinen Beitrag dazu möchte wohl kaum einer lesen nehme ich an :D

      Löschen
    2. Ach, Fanessi :D Mich würde das auf jeden Fall interessieren :) Manchmal kann auch ein Rant sehr spannend zu lesen sein :D

      Miss Samy: Hihi, das Wort "Lackistas" hat mich auch zum Schmunzeln gebracht. Irgendwie eine sehr coole Wortschöpfung :D Und es freut mich (ihn auch, er hat deinen Kommentar gesehen), dass dir das Gedicht gefällt. Ich mag seine Schreiberei wirklich sehr und bin immer wieder begeistert über die Gedichte, die er mir schenkt ^_^

      Löschen
  2. Das Gedicht ist echt klasse! Ich dachte erst "Oh, oh, Fremdschämalarm", da selbst ernannte Dichter in meinen Augen häufig ziemlichen Murks fabrizieren, aber dein lieber Thorsten hat mich positiv überrascht! Kompliment! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Habe das Kompliment direkt mal weitergeleitet :) Und ja, mich überrascht er auch immer wieder ^_^

      Löschen
  3. Bei dem Raum-/ Wohnungskommentar musste ich lachen: wir haben einer 1-Zimmerwohnung ;)

    Aber 10 Flaschen ging auf dem Regal stehen als Ausgleich:)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hmmm, in "eurer" Stadt ist es ja aber nicht gerade günstig. In unserer Gegend ist es da etwas gechillter mit den Mietpreisen...
      Aber wo kommen denn dann alle deine OPIs unter? :O Die guten Teile brauchen ja auch ihren Lebensraum :D

      Löschen
  4. Haha also mir gefällt der Kommentar von deinem Freund sogar besser als das Original ;) Und das Gedicht ist auch total süß!
    Vllt kann ich meinen Freund ja auch dazu überreden, einen Beitrag zu verfassen, mach mir da aber keine allzu großen Hoffnungen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke danke :D Das freut uns beide sehr :)
      Hihi, ich fänd's witzig wenn die Herren der Schöpfung sich da alle mal äußern würden xD

      Löschen
    2. Ja ich auch! Hab schon gefragt ;) Vllt demnächst... abwarten^^

      Löschen
    3. Nochmal ein Kommentar von mir ;)
      Ich habe dich für den Liebster Blog Award nominiert und hoffe, du machst mit! <3
      http://polished-casual.blogspot.de/2014/09/liebster-blog-award.html

      Löschen
    4. Huiii, lieb von dir :) Danke! ^_^ Ich werd demnächst mal einen Post dazu machen, ja.

      Löschen
  5. ...meine Lacke wohnen artig in einem Helmer - in meiner Wohnung, getrennte Wohnungen sind nicht das schlechteste, doch eure offenen Briefe einfach zu herrlich, danke :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Als ich noch meine eigene Wohnung hatte, haben meine Lacke im Badezimmer gewohnt. Aber das muss ich ihm ja in einer gemeinsamen Wohnung nicht antun. Eigenes Arbeitszimmer sei dank! :D
      Hihi, freut mich, dass der Post dich erheitert hat :D

      Löschen
  6. Ich glaube, mein Mann würde nur einen Satz schreiben :" ...und er stinkt doch... !" :)
    Ansonsten erträgt er meine Sucht aber stoisch ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hihi, tja da ist meiner wohl etwas komisch. Zum Glück! :D
      Da kannst du ja froh sein, dass er's erträgt. :) Hab leider auch schon anderes gehört.

      Löschen